Das Schicksal ist (manchmal) ein mieser Verräter

Ohne zu jammern, kann ich mit Fug und Recht behaupten, wir (der Mann, der Hund und ich) sind echt arme Schweine…

Mein Krustentier verspürt nicht die Bohne den Drang, sich zu verpieseln, sondern sucht sich immer neue Stellen zum Mutieren. Gerade wurde mir (mal wieder) eine auffällige Gewebestruktur (Bezeichnung meines Arztes, ich nenne es der Einfachheit halber Gnubbel) aus dem (dieses Mal rechten) Oberarm entfernt. Geblieben ist (mal wieder) eine lange tiefe Narbe. Am Anfang habe ich noch gesagt, wenn alles ausgestanden ist, lasse ich mir über die Narben schöne Bilder tätowieren. Jetzt bin ich mittlerweile an dem Punkt angekommen, dass mir nicht nur die Tattoomotive, sondern (vor allem) die nötigen Geldmittel für die Anzahl der Tattoos fehlen. Und, da – nach Aussage meines Arztes – ein Ende der Gnubbel nicht abzusehen ist (heißt auf „medizinisch“: Nicht heilbar…) und ich kein Ganzkörpertattoo haben möchte, lasse ich es jetzt erst einmal ganz.

Ja, auch die Aussage meines Arztes, ich sei nicht heilbar, hat meiner ohnehin schon ziemlich angeschlagenen Psyche nicht gerade Auftrieb gegeben. Beruhigt hat mich etwas die Erklärung, solange keine Metastasen auftreten oder sich ein Rezidiv im Bein (Primärtumor) bildet, ist die Überlebenschance nicht erheblich herabgesetzt. Gedanklich streiche ich das „erheblich“ und freue mich über jeden Tag, an dem nichts gefunden wird.

Das also ist das eine.

Als ob das nicht völlig ausreichen würde, bekommt der Mann noch die Diagnose Charcot-Fuß. Das bedeutet (vereinfacht ausgedrückt) alle Mittelfußknochen sind gebrochen (eher zerbröselt) und wir müssen abwarten, ob sie wieder zusammenwachsen. Entstehen tut so etwas durch eine Neutropenie in den Beinen / Füßen, meist hervorgerufen durch eine bestehende Diabetes. Ob es wirklich durch seine Diabetes kommt, ist nicht sicher, auf jeden Fall hat er (zum Glück nur leichte) Gefühlsstörungen in den Füßen.

Zur Zeit (und für die nächsten drei Monate) darf er den Fuß nicht belasten. D. h., er trägt eine Orthese (Gipsersatz) und „läuft“ an Krücken oder fährt im Rollstuhl. Zweimal am Tag darf er den Fuß für (mittlerweile) 45 Minuten an Krücken laufend aufsetzen. Ansonsten ist Ruhe angesagt.

Kein Arzt kann mit Gewissheit sagen, ob die Knochen wieder heilen. Was er uns aber bereits definitiv sagen konnte ist, dass eine komplette Berufsunfähigkeit besteht und nach der Orthese das Laufen nur noch mit orthopädischen Schuhen möglich ist.

Es wird ihm also genauso ergehen wie mir, der Abschied von allen „geliebten“ Schuhen steht kurz bevor (erwartet mit Spannung den Beitrag „Ich bin (k)ein Bikerboot“). Natürlich ist das nicht das Ende der Welt und es gibt mit Sicherheit Schlimmeres. Aber, wie auch ich damals schon geschrieben habe, die Krankheit nimmt Dir jegliche Normalität und jede Kleinigkeit auf die Du verzichten musst, lässt für Dich eben zumindest eine Welt zusammenbrechen.

Dass er als Koch nicht mehr arbeiten kann ist sicherlich weitaus dramatischer, versetzt uns zur Zeit aber noch nicht in Panik. Bis zur Rückkehr in den Arbeitsalltag wird noch viel Zeit vergehen, in der wir uns überlegen können, was möglich ist und wie man es eventuell umsetzen könnte.

Sollte jemand von Euch Ideen oder Vorschläge haben, was man als (ausgemusterter) Koch (Küchenchef) für Jobmöglichkeiten hat, immer her damit. Ich bin dankbar für jede Anregung!!!!

Zu guter Letzt wurde dem Hund eine ausgeprägte Pollenallergie attestiert. Dem armen Kerlchen juckte das gesamte Fell und die kleine Nase lief ständig. Am Bauch hatten sich dicke rote leicht verkrustete Flecken gebildet. Jetzt hat auch er seine eigene Pillenbox und bekommt jeden Tag Allergietabletten. Die Symptome sind so gut wie weg und zumindest er läuft wieder fröhlich durch die Welt.

Ich finde, bei all diesen kleinen und großen Dramen können wir uns schon ein bisschen verraten fühlen. Ich persönlich suche ja trotzdem immer nach etwas Positivem und meistens finde ich auch in der größten Katastrophe noch etwas. Und so möchte ich auch dieses Mal dem Schicksal zugute halten, dass es manchmal durchaus ein nettes Kerlchen sein kann.

Hätte nämlich mein Mann seine Selbständigkeit nicht für den Hoteljob aufgegeben, würde er jetzt kein Krankengeld bekommen. Auch, wenn wir immer noch gegen die Firma wegen fehlender Gehaltszahlungen klagen, hat er durch dieses kurze Gastspiel jetzt immerhin sichere monatliche Einkünfte.

Und, wenn ich auch unheilbar krank sein mag und mein Arzt einschränkt, dass es sich dieses Mal um ein nicht wiederholbares Einzelergebnis handelt:

Der Gnubbel in meinem rechten Arm war gutartig

 

Also werde ich auch weiterhin positiv bleiben. Irgendwie geht es ja immer weiter. Und genau das mag ich dann wieder an diesem Schicksal….

 

 

3 Kommentare zu „Das Schicksal ist (manchmal) ein mieser Verräter

  1. sicher fällt es schwer da noch positives zu sehen , doch ich wünsche euch *dreien* alles liebe und viel Kraft um alles zu überstehen:-)

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  2. Schei***, ganz schön viel! Gute Besserung und herzliches „Ohren steif halten“ an euch beide. Ich habe mal gelesen, das Schnurren der Katze und die Bewegung dabei soll das Knochenwachstum anregen. Also, Nachbars Katze schnappen und drauf auf den Fuß! 😉 Ich drücke die Daumen! Im Ernst, ich wünsche euch, dass nicht noch Existenzängste zu dem ganzen Mist kommen. ❤

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