Von Überlebenskünstlern und Raumwundern

„Ich bräuchte etwas Pflegeleichtes, am besten mit einem ausgeprägten Überlebenswillen und Spaß an Selbstversorgung. Gut wäre auch, wenn es nicht so dominant rüberkommt. Eher so der zurückhaltende Typ.“

Das Gesicht der Fachberaterin ändert den Ausdruck von freundlich zu verwirrt lächelnd. Sekunden später fängt sie sich. „Wenn ich Sie richtig verstehe, suchen Sie einen Mc Gyver des Gartens.“

Sie versteht mich! Ich nicke zustimmend.

„Eher zurückhaltend sagten Sie? Kirschlorbeer, Rotahorn und Buchsbäume würden gut zu Ihnen passen. Wachsen schnell, keine bunten Farben und nehmen sich, was sie brauchen.“ Mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: „Die bauen sich notfalls auch aus einer Büroklammer eine Drainage zum Grundwasser.“

Ich bin begeistert, die nehme ich. Mit einem ganzen Wagen voller Pflanzen steuere ich in Richtung Kasse. Heute ist 50 %-Tag, da muss ich einfach so richtig zuschlagen.

Die Verkäuferin beglückwünscht mich zu meinen Schnäppchen, habe ich doch alles zusammen für den Preis des Rotahorns bekommen. „Soll mein Kollege Ihnen beim Einladen helfen? Wo steht denn Ihr Transporter?“

Da war doch was, eine klitzekleine (im wahrsten Sinne des Wortes) Kleinigkeit habe ich bei meinem Kaufrausch übersehen. Isch abe gar keine Transporter…..

„Das geht schon, vielen Dank. Die sind ja nicht so schwer. Das bekomme ich alleine hin.“

Zwei Minuten später stehe ich mit dem gut bestückten Wagen neben meinem SMART. Zuversichtlich öffne ich das Dach (immerhin ein Cabrio) und fange an, die „zarten“ Pflänzchen in den (zugegeben kleinen) Innenraum des Wagens zu stapeln.

Ich rede dem Ahorn gut zu, er möge es mir nicht übel nehmen und die Zweige nicht zu weit ausstrecken. Versuche auch, ihm die Aussicht schmackhaft zu machen. Und zuletzt erinnere ich ihn daran, dass er schließlich ein Mc Gyver sei, da wäre so eine Fahrt mit offenem Verdeck doch wohl ein Klacks…..

Die restlichen Bäumchen ducken sich unter dem Ahorn (froh, noch nicht so groß zu sein) und harren der Dinge, die da kommen mögen.

Und, mein Smartie mutiert zu einem wahren „Raumwunder“. Eng aneinander geschmiegt stehen und liegen alle Bäumchen schließlich drin. Erst jetzt bemerke ich die kleine Gruppe Baumarkt-Mitarbeiter, die meine Bemühungen grinsend und leicht kopfschüttelnd durch die Fenster beobachtet haben. Ich zucke die Schultern und recke meinen Daumen nach oben. Passt!!

Neben mir parkt eine Dame mit einem Fiat 500 ein. Sie schaut sich mein Wunderwerk der Packtechnik an und beschließt spontan, auch zwei solche wunderschönen Rotahorn zu kaufen. Mit den Worten: „Was Sie können, kann ich schon lange.“ geht sie lachend in den Gartenmarkt. Das Victory-Zeichen formend, zwänge ich mich in mein Auto und fahre los.

Dabei fällt mir ein weiterer Punkt ein, den ich nicht bedacht habe: Ich wohne gar nicht mehr in Hamburg und somit auch nicht nur fünf Minuten von diesem Baumarkt entfernt… Das hatte ich völlig verdrängt (seit ich meine Chemie-Bomben einwerfe, habe ich echte Gedächtnisaussetzer….).

Nach Hause auf „mein“ Dorf sind es stolze 18 km. Aber, was soll’s, sage ich auch meinen neuen Garten-Mitbewohnern, die Sonne scheint und wenn wir den Schleichweg ohne Landstraße nehmen, schaffen wir das schon. Auf geht’s, genießt die Fahrt!

Ich hatte noch nie soviel Beachtung, Menschen zeigen auf mich und lachen oder schütteln den Kopf. 😀

Aber, wir haben es geschafft. Alle Pflanzen stehen mittlerweile in unserem Garten und wachsen und gedeihen.

Demnächst – wenn alles fertig ist – gibt es auch Bilder vom Garten.

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4 Kommentare zu „Von Überlebenskünstlern und Raumwundern

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