(K)eine gute Freundin – der Versuch einer Entschuldigung

Heute habe ich einen sehr nachdenklichen Tag. Ich hänge ein bisschen durch und dann kreisen meine Gedanken um diese oder jene Dinge in meinem Leben.

Gerade ist es mir wieder bewusst geworden: Ich bin keine gute Freundin – zumindest nicht im herkömmlichen Sinn.

Manchmal lasse ich mehrere Wochen nichts von mir hören, gehe nicht ans Telefon oder beantworte Whatsapp-Nachrichten  erst nach Tagen (im besten Fall Stunden), Verabredungen bedürfen einiger Vorbereitungen und manchmal sage ich kurzfristig ab.

Ich mag Menschen nicht immer und oftmals auch nicht lange um mich haben. Da machen Freundinnen leider keine Ausnahme.

Ich bin auch nicht die, die ihre Freundin anruft und sagt:“Es geht mir schlecht, kannst Du kommen?“ Wenn es mir nicht gut geht, verkrieche ich mich. Reden hilft mir dann auch nicht, denke ich. Und, über was soll ich reden, wenn der Kern des Übels besprochen ist? Dann geht es mir nicht besser und ich will trotzdem alleine sein, die Freundin ist dann aber noch da und ich kann sie ja schlecht rauswerfen….

Wenn wir uns dann sehen, ist es schön, ich genieße die Gespräche und die Vertrautheit. Denke mir, das müssen wir öfter machen. Bis zum nächsten Treffen vergehen dann meistens ein paar Wochen.

Mit einem meiner besten Freunde (ja, ein Mann und ganz ohne „Freundschaft-Plus“) will ich mich schon seit Jahren in unserer arbeitsfreien Sommerpause treffen, damit die Zeit nicht so lang ist, bis wir uns nach zwei Monaten wiedersehen. Geschafft haben wir es bisher noch nicht einmal.

Immer denke ich, morgen melde ich mich hier oder dort und mache eine Verabredung aus. Nach ein paar Wochen denke ich dann, oh, Du wolltest Dich doch melden….

Das war schon vor meiner Krankheit so, ich kann es also nicht mit momentan vorhandenen Unpässlichkeiten entschuldigen.

Nun ist es auch nicht so, dass ich soziale Kontakte generell meide.

Gerade habe ich ein langes Telefonat mit meiner Freundin beendet. Es gab nichts besonderes zu besprechen in diesen 120 Minuten, trotzdem haben wir viel zu erzählen gehabt.

Letzten Samstag war eine andere Freundin bei mir. Wir haben mit unseren Hunden auf meinem Sofa gelümmelt und beim Reden völlig die Zeit vergessen. Vorher hatten wir uns einige Zeit nicht gesehen. Quasi um Entschuldigung bittend, erzählte ich ihr von meiner mangelnden „Sozialkompetenz“. Ihre Reaktion versetzte mich in Erstaunen. Geht es ihr doch genauso wie mir. Etwas beruhigt nahm ich wahr, dass es anscheinend noch andere Menschen auf dieser Welt gibt, denen Gesellschaft nur unterschwellig etwas bedeutet.

Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich so bin, wie ich bin. Trotz allem habe ich noch Freundinnen und diesen lieben Freund. Nicht viele, aber gute (und es sind nicht weniger geworden in den letzten Jahren). Wenn es drauf ankommt, bin ich immer da. Zu allen Tages- und / oder Nachtzeiten. Dann kann man sich auf mich verlassen. Nur leider nicht in der „normalen“ Zeit des Lebens.

Ihr Lieben, wenn Ihr das hier lest (und das werdet Ihr, da bin ich mir sicher), seid mir nicht böse. Vielleicht zeige ich Euch das nicht immer so und bestimmt habt Ihr mich das eine oder andere Mal verflucht, weil ich wieder mal vergessen habe, mich zu melden. Das bedeutet nicht, dass Ihr mir egal seid!  Ihr bedeutet mir sehr viel! Ich habe Euch sehr lieb und möchte Euch nicht missen!

Kennt das vielleicht noch jemand von Euch? Ich würde mich über Kommentare freuen – auch, wenn Ihr ganz anders mit Euren Freundschaften umgeht.

 

 

 

 

6 Kommentare zu „(K)eine gute Freundin – der Versuch einer Entschuldigung

  1. Ich kenne Dich seit wir 15 waren und es war schon immer so: ein „ich rufe Dich an…“ bedeutet: „ich hab Dich gern, also melde Dich bei mir, ich vergesse das bestimmt…“ oder wahlweise „Du Idiot, bestimmt nicht.“ Ich weiß, dass bei mir ersteres der Fall ist und dass ich immer auf Dich zählen kann, wenn es darauf ankommt.
    Freundschaft hat nichts mit Quantität zu tun!
    Ich hab Dich lieb

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  2. Mir gehts an sich auch nicht immer gut

    Manchmal tut es jedoch auch gut jemanden bei sich zu haben.
    Meine beste Freundin (ja, auch ohne „Freundschaft-Plus“) ist immer da wenn es mir beschissen geht, umgekehrt ist es auch so.
    Eine Umarmung kann so manchen negativen Tag ins positive bringen.
    Was auch hilft ist einfach nur Musik hören, für sich sein, Musik laut an und eventuell auch mitsingen.
    Das hat mir zumindest immer geholfen

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  3. Ist bei mir ganz ähnlich. In der Phase meiner Erkrankung noch mehr als sonst. Ich habe nur wenige Freundinnen, aber die die ich habe möchte ich nicht missen, denn sie mögen mich so wie ich bin, gerade weil ich so bin. Ich bin immer für sie da uns sie sind es für mich, aber wir können auch gemeinsam Schweigen und uns auch mal eine Weile nicht sehen und keiner ist dem anderen deswegen bös‘ gesinnt. Das macht doch gerade wahre Freundschaften aus. 🙂

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  4. Willkommen im Club! Ich bin froh, wenn ich meine Ruhe habe und für mich sein kann. Auf der anderen Seite verabrede ich mich mit Freunden/Bekannten und überlege immer schon tagelang im Voraus, wie ich aus der Geschichte wieder raus komme. Manchmal hab ich Glück, dann wird der Termin von der anderen Seite abgesagt. Und wenn ich dann doch hingehe, wirds meist lustig. Bin ich dann aber wieder zuhause, falle ich aufs Sofa oder ins Bett und bin froh wieder in meinem Reich zu sein. Wir kriegen auch nur selten Besuch, da wir hier vor Ort niemanden haben und Freunde/Verwandte/Bekannte alle weiter weg wohnen, das wir respektive ich lieber fahre.
    Du siehst, Du bist nicht alleine. Das hat nichts mit Deiner Krankheit zu tun, das man sich abkapselt oder ähnliches.
    LG
    Birgit

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