Chemie vs. Krustentier

Länger habe ich nicht über meine Krankheit geschrieben. Ich wollte lieber die normalen Dinge in meinem Leben genießen. Nun hat eine liebe Bekannte mich gerade gefragt, wie ich eigentlich meine Chemo vertrage und wie es mir geht. Das nehme ich mal zum Anlass, hier einen kleinen Statusbericht zu schreiben.

Seit einiger Zeit nehme ich meine chemische Keule (Chemo in Tablettenform, Xeloda), mit der wir (mein „Ärzteteam“ und ich) das zweite Krustentier in Schach halten – oder besser „töten“ – wollen.

Die erste Zeit war nicht schön, ich hatte alles, was man so an unerwünschten Wirkungen (aus den Sprechstunden weiß ich, der Begriff Nebenwirkungen ist juristisch relevant, darauf wollen wir es ja nicht ankommen lassen 😀 ) haben kann. Mir war schlecht (dauerhaft), schwindelig (häufig), alle Gelenke taten mir weh (besonders die Hüften), die Augen tränten beim leichtesten Luftzug und auch sonst gerne zwischendurch und meine Mundschleimhaut war entzündet.

Der Haarausfall blieb aus, bis heute. Obwohl, nicht ganz…. Meine Beine sind fast haarlos. Das empfinde ich aber doch eher als Vorteil 😉 (wenigstens einen muss man ja haben…)

Nach ca. 10 Tagen ging es mir etwas besser. Dank der Mundspülung, die ich von meinem Arzt verschrieben bekam, hatte sich auch meine Mundschleimhaut fast völlig regeneriert.

Relativ neu – seit ca. einer Woche –  habe ich eine gewisse Appetitlosigkeit. Die nehme ich gerne… Ein paar Kilo weniger tun mir ganz gut 😀 An einigen Tagen bin ich dauerhaft schlapp und müde. Alles relativ gut erträgliche Dinge.

Dass sich aber der Geschmack von einigen (sehr geliebten) Lebensmitteln verändert hat, nehme ich meinen „Drogen“ etwas übel. Äpfel und Schokolade haben einen metallischen Geschmack. Schwarz- bzw. Vollkornbrot schmeckt bitter und meine Lieblingslakritzen sind geschmacksneutral, verursachen dafür aber spontane Übelkeit.

Zusätzlich zu den Tabletten bekomme ich 30 Bestrahlungen. Am Anfang war das völlig entspannt. Mittlerweile habe ich leichte Verbrennungen an und um die linke Brust. Das ist nicht wirklich schön….. Aber, auch da komme ich durch.

Bei den Bestrahlungen für mein Bein hatte ich – als kostenlose Zugabe quasi – immer die Angst, dass mein Transplantat die Behandlung nicht übersteht und abstirbt. Mit solchen Sorgen muss ich mich jetzt zum Glück nicht herumschlagen. Da nehme ich doch die Verbrennung „gerne“ in Kauf.

Nächste Woche ist das Kontroll-MRT. Dann sehen wir, ob die Behandlung schon angeschlagen hat. Wenn bis zum Ende des übernächsten Zyklus keine Veränderung eintritt, muss der Tumor doch operativ entfernt werden.

Einen Grund zur Freude hatte ich bereits: Vor zwei Wochen schickte mein Onkologe mich schon einmal zum MRT. Wegen der anhaltenden Hüftschmerzen wollte er das  („mal wieder“) bei mir Naheliegendste (Knochenmetastasen) ausschließen. Hat funktioniert, ist „nur“ eine Schleimbeutelentzündung der rechten Hüfte. Auch nicht schön, weil sehr schmerzhaft, aber gut zu verkraften.

Ich bin guter Dinge, dass wir auch das Krustentier ohne Operation besiegen werden!

 

 

 

4 Kommentare zu „Chemie vs. Krustentier

    1. Meine Mundspülung heißt Caphosol, die habe ich direkt von meinem Onkologen bekommen.

      Du kannst aber auch diese beiden Sachen aus der Apotheke nehmen: 0,1-prozentige Lidocain-Polymer-Bicarbonat-Lösung (alle zwei Stunden), Fluconazol-Suspension, einmal täglich 40 ml (entspricht 200 mg).

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