Ich bin (k)ein Pumps….

…leider nicht mal mehr ein Flip-Flop (siehe das Zitat meiner Freundin Kleiderwahl). Ein Turnschuh trifft es eher. Das wollte ich nie sein.

Solange ich denken kann, bin ich ein Pumps, selbst beim ausgiebigen Stadtbummel. Nur beim Spazierengehen, am Strand oder bei Städtereisen verwandelte ich mich kurz. Dann in einen Flip-Flop oder zumindest einen Ballerina.

Im Winter war ich ein modischer Stiefel mit hohem Absatz (nur bei Schnee mit flachem Absatz, aber nicht weniger modisch).

Bis heute:

Es ist Frühling und, wie jedes Jahr, werden alle Schränke nacheinander ausgeräumt, gereinigt und der Inhalt vor dem Wiedereinräumen sortiert / aussortiert.

Voller Euphorie (ja, mir macht Aufräumen Spaß…) öffne ich also heute Morgen die Türen meines Schuhschrankes. Eine Pracht edlen Schuhwerks in verschiedensten Farben wartet nur darauf, gebürstet, anprobiert und wieder eingeräumt zu werden.

Jedes einzelne Paar ist mir ans Herz gewachsen (ich bin eine Frau und da sind Schuhe wie Kinder, man liebt sie….) Ich freue mich darauf, sie in die Hand zu nehmen, anzuprobieren und mir zu überlegen, wozu ich sie kombinieren kann….

Als erstes verweigert der Reißverschluss meiner geliebten schwarzen Stiefel auf halber Höhe der linken Wade seinen Dienst. Als wäre das nicht schon erschütternd genug, zieht es sich weiter durch den gesamten Schuhbestand. Overknees verwandeln sich in gestauchte Underknees, Pumpsabsätze knicken unter meinem gefühllosen linken Fuß weg, Ballerinas verwehren ihm gar den Zutritt (zu eng, zu spitz), Flip Flops gleiten mir von den Füßen (keine Kraft, den Zehensteg zu halten).

30 Paar Schuhe finden den Weg aus dem Schuhschrank in einen blauen Sack. Dieser wird morgen fachgerecht von meiner Freundin (in ihren Schuhschrank) entsorgt .

Übrig bleiben vier Paar Turnschuhe und ein Paar Ballerinas, die sich verstört in den sie umgebenden leeren Regalen umschauen. Von dem ersten Schock der minimalistischen Ordnung erholt, rufe ich Ihnen zu „habt keine Angst, ihr bleibt bei mir und bald bekommt ihr neue Freunde“.

Die Schuhe meines Mannes profitieren von der neuen Situation. Sie dürfen jetzt aus ihrem zusammengequetschten Schattendasein im Jackenschrank umziehen in die unendliche Weite unseres Schuhschrankes.

Meine alte Persönlichkeit hat sich heute für – vermutlich – immer von mir abgewandt. Keine Lust mehr, auf mich und wiederkehrende alte Zeiten zu warten.

Warum auch, ich kann sie verstehen. Werden doch die vier Zentimeter mehr Umfang meiner linken Wade für immer bleiben, das Gefühl im linken Unterschenkel und der Hälfte meines Fußes nicht mehr wiederkehren.

Dann bin ich jetzt also ein Turnschuh, mit Glück ein Schnürschuh.

Im Winter eine Stiefellette oder – mit viel Wohlwollen – ein Weitschaftstiefel.

2 Kommentare zu „Ich bin (k)ein Pumps….

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