Eine Nacht auf der Intensivstation

Nach – dann doch neun statt acht Stunden – bin ich gestern wirklich wieder aufgewacht und habe die erste Nacht auf der Intensivstation verbracht.

Das war, bis ca. 23:00 Uhr, gar nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Die Schwestern, die alle Stunde nach meinem Bein schauten, waren sehr lieb und versorgten mich auch reichlich mit Schmerzmitteln, so dass ich einigermaßen komfortabel in meiner Speziallagerung ausharren konnte. Sogar essen durfte ich abends schon etwas und Thorsten konnte mich besuchen.

Gegen 23:00 Uhr wurde die Trennwand zwischen mir und dem zweiten Bett zugezogen und hereingerollt wurde eine – wie ich später herausfand – ältere Dame. Leider war sie nicht nur in ihrer Wohnung gestürzt, sondern hatte zudem starke Magen-Darm-Probleme. Sie war auch – wohl durch die starke Austrocknung ihres Körpers – leicht verwirrt.

Das Unheil nahm seinen Lauf.

Nun möchte ich nicht, dass jemand denkt, ich sei hartherzig, egoistisch oder gefühlskalt. Ich bin wirklich der mitfühlendste, und aufopferndste Mensch im wirklichen Leben. Jedem helfe ich, für jeden habe ich ein offenes Ohr. Jedes Tier (außer Spinnen) wird von mir gerettet, jedes mir unbekannte Kind, das weint, getröstet usw.

Ich hätte jedoch gerne ein wenig geschlafen nach der langen Operation. Nur ein bisschen…. Leider versuchte die ältere Dame im Fünf-Minuten-Takt sich von ihrer Infusion zu befreien und aufzustehen. War sie wieder zur Ruhe gekommen, durchzog ein intensiver Duft das Krankenzimmer (ich erwähnte, sie hatte Magen-Darm-Probleme) oder sie schrie nach Personen mit wechselnden Namen.

Jedes Mal klingelte ich pflichtbewusst nach der Schwester, damit die Dame sich nicht noch verletzte oder gar ihr Kreislauf kollabierte.

Gegen Morgen (so etwa 9:00 Uhr) hatte sich ihr Zustand merklich gebessert und sie beklagte sich über die ständige Unruhe auf dieser Station. Da würde man ja kein Auge zubekommen. Dass man ihr das, als alte Frau zumuten würde, sei wirklich eine Frechheit.

Da kann ich ihr nur zustimmen.

Als ich heute am frühen Nachmittag – endlich – auf die Normalstation verlegt wurde, winkte sie mir beim „Vorbeifahren“ zu und wünschte mir einen schönen Tag.

Den werde ich haben, schlafend in meinem sehr ruhigen Zimmer auf der Plastischen Chirurgie.

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