Geballte Kompetenz, 2. Teil

13:45 Uhr Sarkomsprechstunde im Tumorzentrum des UKE, Empfang.

„Guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“, „Guten Tag, ich habe um 14:00 Uhr einen Termin.“, „Bei uns? Sie sind nicht eingetragen.“,“ Ja, bei Ihrem Chefarzt. Der Termin wurde letzte Woche von dem Chefarzt der Dermatologie im Bundeswehrkrankenhaus vereinbart.“, „Das verstehe ich nicht, Sie sind wirklich nicht eingetragen. Sind Sie sicher, dass der Termin bei uns sein sollte?“

Ich reiche der freundlichen Dame am Empfang den Überweisungsschein, auf dem ein gelber Post it mit dem Termin und dem Hinweis „Sarkomsprechstunde UKE, Haus O26“ klebt, sowie den Arztbericht, der sowohl den Namen des Arztes, das Datum des Telefonats und nochmals den Termin enthält. Noch lächle ich dabei…

„Da ist wohl etwas schief gegangen. Herr Professor hat den Termin nicht eingetragen. Er ist heute gar nicht im Haus. Aber, das bekommen wir hin, der Kollege übernimmt das. Nehmen Sie doch erst einmal im Wartezimmer Platz.“

Noch relativ entspannt und guter Dinge suche ich mir einen Platz im Wartezimmer. Zehn Minuten später kommt ein (sehr) junger Assistenzarzt und holt mich in sein Sprechzimmer. Die allgemeinen Fragen („Was kann ich für Sie tun?“, „War der Tumor bösartig?“, „Sind Sie schon operiert worden?“) kenne ich schon vom letzten Mal. Er stellt – nach einem Blick auf mein Bein – fest, dass es doch gut aussehe und das neue Gewebe schon leichte Haut an den Rändern gebildet hätte. Er sieht mich an und fragt: „Wie wollen wir denn jetzt weiter verfahren?“.

WITZBOLD, das sollst Du mir erzählen…. Wenn ich es selbst wüsste, wäre ich nicht hier, sondern hätte schon mit der Behandlung begonnen….

Meine Frage nach dem Ergebnis der Tumorkonferenz lässt ihn aufhorchen („Ach, die war schon?“). Jetzt platzt mir der Kragen und ich frage ihn, ob hier irgendwo Kameras versteckt seien und ich mich demnächst im Fernsehen wiederfinden würde. Jetzt weiß er gar nichts mehr mit mir anzufangen und ruft (etwas verzweifelt) eine Kollegin aus der chirurgischen Abteilung an. Diese kommt einige Minuten später. Ich traue meinen Augen kaum, als ich die (sehr) junge Assistenzärztin von der letzten Untersuchung wieder erkenne.

Auch sie ist leicht irritiert und bringt um Gelassenheit bemüht ein „Ach, Sie schon wieder.“ hervor. Ich sage gar nichts mehr.

Die beiden besprechen in bestem Fachchinesisch das weitere Vorgehen. Nach einigen Minuten – in denen sie meine Anwesenheit völlig vergessen haben – teilt die Assistenzärztin mir mit, sie hätten jetzt beschlossen, keine weitere Operation durchzuführen, die Stelle zuwachsen zu lassen und zeitnah mit der Bestrahlung in die offene Wunde zu beginnen.

Meine Ausführung, das Bundeswehrkrankenhaus sowie ihr Chefarzt hätten mir eine andere Auskunft gegeben, ignoriert sie, steht auf und verlässt mit den Worten: „Dann wissen Sie ja jetzt Bescheid und können sich einen Termin in der Strahlentherapie holen.“ den Raum. Auch der Assistenzarzt hat dem nichts mehr hinzuzufügen und entlässt mich mit einem fröhlichen „Alles Gute für Sie“ aus seinem Sprechzimmer.

Sprachlos stehe ich eine Minute später am Empfang und lasse mir den Termin für die Strahlentherapie geben. Die freundliche Dame am Empfang gibt mir noch ein fröhliches „Na also, hat ja doch noch alles geklappt“ mit auf den Weg.

Als ich schon im Auto auf dem Heimweg bin, kommen mir die Tränen und ich frage mich, ob dieser Krebs in meinem Bein mich vielleicht doch noch umbringen wird, wenn jetzt Assistenzärzte Entscheidungen von Fachärzten ignorieren und ich nichts dagegen machen kann…..

 

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