Geballte Kompetenz

Ich will mich nicht beschweren. Wirklich nicht. Es wird vermutlich alles getan, um meinen Krebs zu bekämpfen. Und ich bin geduldig. Sehr geduldig! Und entspannt. Total entspannt.

Wenn ich mir das oben Geschriebene lange genug einrede, werde ich es verinnerlichen und den heutigen Tag weniger dramatisch sehen. Ganz bestimmt. Dauert nur noch einen Moment.

Was ist passiert:

Ich war heute Vormittag im UKE, um mit dem Oberarzt der Chirurgischen Abteilung (gleichzeitig Spezialist für Weichteilsarkome) das Ergebnis des Tumorboards sowie das weitere Vorgehen zu besprechen. Den Termin hatte der Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses persönlich für mich (ich saß daneben) vereinbart. So weit so gut.

Leider wusste bei meinem Eintreffen im UKE niemand etwas von einem Termin mit dem Chefarzt. Das sei aber nicht weiter schlimm, wurde ich beruhigt, er sei im Haus und käme gleich runter in die Sprechstunde.

Wer allerdings 45 Minuten später kam, um mich und mein Bein zu begutachten, war eine (sehr) junge Assistenzärztin. Ihr junges Alter hielt sie nicht davon ab, von ihrer geballten Fachkompetenz überzeugt zu sein. Leider hatte sie auch meine Krankendaten nicht erhalten (die CDs und Berichte des Bundeswehrkrankenhauses hatte der nette Mitarbeiter an der Anmeldung kurz vorher in meinem Beisein eingelesen) und wollte sich nun durch gezielte Fragen („was führt Sie zu uns“, „sind Sie sicher, dass es ein Tumor ist“, „wurden Sie schon operiert“) einen ersten Überblick verschaffen. Ihr begeisterter Ausruf nach Entfernung des Verbandes „Oh, ein Epigard, so etwas wollte ich mir schon immer einmal in Natur anschauen“ trug nicht zur Vertrauensbildung bei.

Meine Anmerkung, ich solle hier nur mit dem Chefarzt das Ergebnis und weitere Vorgehen besprechen, ließ sie außer Acht, holte stattdessen einen zweiten (sehr) jungen Assistenzarzt dazu und zeigte ihm, wie so ein Epigard in echt aussieht.

Erst der (leicht) unbeherrschte Wutausbruch meines Mannes brachte sie dazu (wenn auch widerwillig), den Chefarzt zu konsultieren. Dieser kam nach ca. 60 Minuten und war verwundert, dass ich schon so lange im Haus sei, er hätte mich auf seiner Station erwartet.   Nun gut, jetzt sei er ja da und würde alles ausführlich und in Ruhe mit mir besprechen.

Das Gespräch dauerte fünf Minuten und enthielt drei mehr oder weniger neue Informationen:

  1. Es handelt sich um ein Angiosarkom ohne Metastasierung und Lymphknotenbefall.
  2. Das Angiosarkom ist ein aggressives Weichteilsarkom, welches radikal operativ entfernt werden müsse.
  3. Mein Fall wurde noch nicht in der Tumorkonferenz besprochen. Dies wäre erst nächste Woche der Fall und dann sehen wir weiter.

Ich verließ also nach zwei Stunden das UKE mit der nicht neuen Erkenntnis, ich habe Krebs und muss warten, wie es weiter geht.

Am Montag werde ich einen Anruf erhalten und erfahren, was in der Tumorkonferenz beschlossen wurde.

Mal schauen, ob am Montag auch jemand (und wer) daran denkt, diesen Anruf zu tätigen. Es liegt also eine mehr oder weniger entspannte Woche vor mir….

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